Der fränkische Bibelweg entsteht


Ein fränkischer Bibelweg entsteht -
von Stämmen, Sägen und Skulpturen
 
Im Anfang war ...

ein abgebrochener Ast einer über 100 jährigen Pappel im unserem Park. Er beschädigte das Brückengeländer der Gemeinde und veranlasste mich, dafür Sorge zu tragen, dass in Zukunft Spaziergänger auf den Gehwegen im Park und auf einem Gemeindepfad am Bach durch alte brüchig gewordene Äste nicht mehr gefährdet wurden. Die Ortsbegehung des Parkes mit einem Förster führte zu einer größeren Baumfällaktion in unserem Park. Auf die Frage, was ich mit dem wertlosen Holz anfangen solle, gab mir der Förster zur Antwort, dass es am besten sei, dieses im Park verrotten zu lassen, es sei denn man fertige Skulpturen wie in Bad Staffelstein. Da hat es bei mir KLICK gemacht und die Idee des Bibelweges war gezeugt. Inspiriert wurde ich dabei durch den "Jesusweg" in Naturns/ Südtirol. Nachdem der Seßlacher Holzbildhauermeister Wolfgang Schott von dieser Idee Feuer gefangen hatte, war mir klar, dass das Projekt konkretere Züge annehmen wird. Nachdem auch die beiden Bürgermeister, Herr Hendrik Dressel aus Sesslach, und Herr Walter Eichhorn aus Untermerzbach von dieser Idee begeistert waren, gab es kein Zurück mehr. Nachdem Pater Hofmann den Europameister im Skulpturenarbeiten, Martin Komárek aus Tschechien als Dozent gewinnen konnte, um die jungen Holzbildhauer in den Umgang mit Kettensägen einzuführen, nahm das Vorhaben immer konkreter werdende Züge an. Im Initiativkreis, dem die beiden Bürgermeister, Herr Schott und Pater Hofmann angehörten, fand man auch für den entstehenden biblischen Besinnungsweg einen würdigen Namen: "Fränkischer Bibelweg - Von der Schöpfung bis zum himmlischen Jerusalem“. Pater Hofmann suchte geeignete Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament aus und fertigte zusammen mit Herrn Schott eine Ausschreibung an, die an alle Holzbildhauerfachsschulen in ganz Deutschland versandt wurden.

 

Liebgewonnen
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Geschaffen wurde dieser Bibelweg schließlich während einer Projektwoche von zwölf auszubildenden Holzbildhauern vom 13. - 17.09.2004 - sieben Auszubildende waren aus der Bildhauerfachschule in München und drei aus Kloster Wald, zwei Lehrlinge aus Herrn Schotts eigener Werkstatt. Es waren 10 junge Frauen und zwei Herren, die zwölf Skulpturen gestalten sollten — sechs aus dem Alten und sechs aus dem Neuen Testament. Der Bauhof der Gemeinde wurde für eine Woche lang zur Künstlerwerkstatt umfunktioniert. Herr Komarek gab zu Beginn der Projektwoche den jungen Holzbildhauern nicht nur Tipps im richtigen Umgang mit der Kettensäge, sondern wies diese auch in die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen ein. Das Dröhnen der Motorsägen war im ganzen Ort Untermerzbach zu hören und sollte manch Schaulustige an den Tatort locken. Eine Woche lang waren jungen Holzbildhauer damit beschäftigt, aus dicken Pappelstämmen — sie stammen alle aus dem Schlosspark von Untermerzbach — mit Hilfe von Motorsägen Skulpturen zu gestalten, die die Stationen eines biblischen Besinnungsweges zwischen Untermerzbach und Seßlach bilden sollten. Während dieser Zeit waren die Holzbildhauer im Schloss Untermerzbach bei den Pallottinern gut untergebracht. Pater Alois Hofmann, der Rektor des Herz-Jesu-Heims der Pallottiner, sorgte dabei für leibliches und seelisches Wohlbefinden, Holzbildhauermeister Wolfgang Schott die fachliche Betreuung der Holzbildhauer begleitete.

„Am Anfang waren alle noch recht vorsichtig, keiner traute sich an die Monstersägen heran“, blickt Schott auf die ersten Tage in Untermerzbach zurück. „Aber inzwischen ist das Arbeiten mit der Kettensäge selbst für die Mädchen zu einer Selbstverständlichkeit geworden.“ Es wurden die großen Stämme auf dem Bauhof vermessen, die vorab angefertigten Zeichnungen der einzelnen Skulpturen vergrößert, ausgeschnitten und als Schablonen an die Stämme angelegt. Und schließlich wurde die Motorsäge angeworfen und dem jeweiligen Stamm zu Leibe gerückt.

 

Mit viel Herzblut gehts zur Arbeit
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Als ein Projekt, „das mit Sicherheit unsere Region bereichern wird“, bezeichnet Bürgermeister Hendrik Dressel den Bibelweg, dessen letzte Station, das „Himmlische Jerusalem“, direkt vor den Toren der Seßlacher Altstadt liegt. „Wenn das alles so schön wird, wie es in den Vorschlägen aussieht, dann wird alles gut.“ An jeder Skulptur ist eine Hinweistafel entstanden, auf der die Station ein bestimmtes Thema erhalten hat. Ferner ist auch die Schriftstelle abgedruckt und der Name des Holzbildhauers erwähnt. Mit Hilfe eines eigenes Prospektes und der eigens angefertigten Hinweisschilder hat der Wanderer es leicht, zu den einzelnen Stationen zu gelangen, dort zu verweilen und ein wenig zur Besinnung zu kommen.

Dargestellt wurden an den Stationen auf dem rund neun Kilometer langen Weg unter anderem die Schöpfung, Noah, Abraham, Mose und Johannes der Täufer ebenso wie die Heilung der Kranken durch Jesus, die Versuchung Jesu, das österliche Geschehen anhand der Gestalt des Apostels Thomas oder auch Pfingsten.

Vorgaben für die Umsetzung der Themen wurden den Künstlern nicht gemacht, sie sollten ihre eigene Kreativität entfalten und umsetzen können.

Für Pater Hofmann ist der neue Weg ein Ausdruck des ökumenischen Geistes, der seit Jahrzehnten in der Region praktiziert wird. „Vielleicht gibt es durch den Bibelweg jetzt noch einen neuen Impuls.“ Pater Hofmanns Wunsch ist, dass die Botschaft der Bibel durch die Skulpturen auch jenen Menschen einen Lebensimpuls zu geben vermag, die sonst keinen Zugang mehr zur Kirche finden. Die ökumenische Eröffnungsfeier des Bibelweges hat am Sonntagnachmittag, am 17. 10. 2004 um 13.30 Uhr unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattgefunden. Bei den einzelnen Stationen wurden die Bibeltexte gelesen und Besinnungstexte gesprochen. Musikalisch wurde diese Feier von örtlichen Musikgruppen und Singkreisen unterstützt.

P. Alois Hofmann SAC

 
Letzte Änderung: 03.08.2015 16:18 Uhr